Monday, September 12, 2011

Liebe ist Revolution

Unsere Herzen sind leer weil wir Angst vor dem Tod haben. Vor dem Verlassen werden, vor dem Untergang.

Alle die, die auf ihre Weise versuchen, am Leben zu bleiben und durch Sex, durch arbeiten, trainieren und davonlaufen, durch denken und analysieren, durch kluges Geschwätz oder das Schwenken ihrer Fahnen ihr Leben zu retten und den Tod zu vertreiben werden scheitern.

Ich bin auch gescheitert. Tausendmal. Immer wieder. Jedesmal wenn ich mich danach sehne, einen Menschen im Arm zu halten, der mir ein leeres Herz anbietet, um es für ein paar Momente mit Leben zu füllen, scheitere ich an der Liebe.

Und doch glaube ich daran, dass die Liebe uns retten wird. Vor einem leeren Leben, vor einem traurigen Sterben, vor einem Herzen, das leer ist, wenn es zum letzten Mal schlägt...

Weil ich fühle, dass ohne sie die wirklichen Heldentaten nicht getan würden. Weil letztendlich sie es ist, die uns antreibt. Nicht die Macht, nicht der Ehrgeiz und nicht die Angst.

Wenn wir erkennen würden, dass wir eigentlich lieben, was wir haben wollen und dadurch zerstören, dann wäre das die wahre Erkenntnis.
Ein Akt der Freiheit. Die innere Revolution.

Und wir könnten den anderen lieben, ohne ihn zu retten oder zu zerstören. Voller Mitgefühl für sein und mein unvermeidliches Scheitern. Und dadurch geheilt werden...

Thursday, December 11, 2008

lieben ist befruchten ...


... selbstverständlich. Zufällig und bewusst.

Kein warum mehr sondern ein wie ...

Nichts mehr dazwischen sondern beide.

Einverstanden.

Sich beschenken.

In aller Unschuld und Lust.

Mit Augen, Mund und Händen. Mit allem was ist ...

Nicht mehr und nicht weniger.




Thursday, January 18, 2007

Unter meiner Schirmherrschaft ...

... haben so viele Tropfen und Strahlen ihr Ziel schon verfehlt, dass sie ein ganzes Meer füllen und seine sämtlichen Tiefen filmreif ausleuchten könnten...
Aber es gab schon auch Zeiten, wo ich sie loslassen konnte. Wo sie übermütig und triefend durch den Sturm rannten und hinterher glücklich kichernd unter dem Regenbogen jedes Eis schmelzen ließen....

Tuesday, August 08, 2006

Spiegelstadium

Nach dem Essen überfällt mich der Blues. Ich will etwas ausprobieren und spüre Ablehnung. Hoffe auf den „Glanz im Auge der Anderen“ und finde nur ein stumpfes Schach Matt.
Ich falle rückwärts in mein Zimmer. Trau mich einen Tag nicht mehr heraus und werde krank oder andersrum. So ist es leichter.
Irgendwo im Haus höre ich jemanden weinen. Eine Frau singt von woanders ein Lied.
Versuche zu zeichnen, um klein zu werden und vorsichtig. Dabei komme ich wieder zu mir. Draußen treiben die Blätter der Bäume ganz langsam und lüstern aus. Das beruhigt mich.
Was es mit den Pferden auf meinen Bildern auf sich hat kann ich verstehn aber nicht erklären. „Jedes Tier ist eine Künstlerin. Rosemarie Trockel“ schreibe ich rot auf eine Zeichnung, bei der man nicht weiß, um was für ein Tier es sich eigentlich handelt. Dann streiche ich es wieder durch. Die Zeichnung ist beinahe zerstört, der Satz noch nicht ganz.
Die Frage der Identität. In meinem Kopf zerfällt erst einmal alles in halbleere Räume, schmerzhafte Worte und vergebliche Blicke. Ich bin mit mir vollkommen allein. An der Tür klopft es. Davor liegt ein Bild mit Herz und ein Schlüssel. Ich nehme den Schlüssel heraus und werfe das Bild in den Müll. Dann rette ich es wieder und lege es an seinen Platz.
Ich merke, dass ich nur dann, wenn die andern es wollen eine von ihnen bin. Dass mein einsames Ordnen von Bildern draußen nicht zählt. Ich sehe sie sich zusammenrotten in Horden von Müttern mit Kindern. Ich bin das Ende der Fahne und habe nichts dazu zu sagen. Ich sage stopp wenn es ernst wird. Oder sinnlos. Die Fülle bedroht mein Verstehen und Überleben. Die Leere genauso.
Ich esse einen Apfel und schlafe

Saturday, August 05, 2006

Erster Tag

Große Runde mit schwarzen Stühlen.
In der Mitte riesige Leere.
Menschen mit leisen und runden Blicken.
Ich frag mich wer zu mir gehören könnte und
kann ihn noch nicht erkennen.
Der Kreis beginnt zu sprechen.

Das Handicap erkennt man daran, wie jemand sich vorstellt.
Die einen sind Künstler und schüchtern und wiederholen
beinahe, was der Vorgänger sagt.
Ein andrer spricht seine eigenen Sätze und wiederholt sich dabei selber.
Wir verstehen kein Wort aber freun uns.
Der letzte muss gar nichts mehr sagen.

Jetzt wissen wir ungefähr wie wir heissen und können uns finden.
Begrüßung.
Ich sehe Verbindung und bin dabei.
Und bilde mit zweien ein Dreieck.
Wir suchen den Blick gegenüber, den Winkel,
erst mal ein Foto zum festhalten.

Dann Gruppenfoto auf Treppe.
Und sortieren von Fotos in Kreuzung, Mensch, Wald.

Danach leise Freude auf morgen ...

Zweiter Tag

Sie warten schon.
Wir zeichnen gegen das Fremde in unseren Gesichtern.
Tusche und Bleistift.
Glanzschwarz neben zart.
Dann wird betrachtet und „schön“ gesagt.

Wir gehn auf die Jagd.
Ich zeige gefundene Wege und Brücken.
Wir machen Fotos.
Sie treffen Bekannte.
Dann Spiel mit den Spiegeln, mit Tönen und Schaukeln
Am Ende die Rast an der Quelle.

Ich weiß nicht, wie es kommt....

... sie läuft mir ständig davon.

Kaum brauche ich sie einmal,
ist sie verschwunden.
Wenn ich morgens zu lange im Bett liege merke ich,
dass sie da ist.
Sie liegt neben mir und schläft auch noch ein bisschen.
Doch sobald ich die Augen aufschlage,
ist sie schon wieder auf der Flucht vor mir.
Nackt kann ich sie unmöglich einholen.
Auch nicht, ohne gefrühstückt zu haben.
Und bis ich soweit bin,
ist sie über alle Berge.
Sie hinterlässt drei weiße Haare auf meinem Kopf
und die Telefonrechnung in meinem Briefkasten.
Sie bestimmt,
wann es etwas zu feiern gibt
und wieviel ich verdiene.
Und immer werde ich nach ihr gefragt
obwohl ich sie nur flüchtig kenne.
Ich zeige dann ihr Bild
und gebe Auskunft über sie
als ob man sich auf sie verlassen könnte.
Doch insgeheim weiß ich:
sie wird mich quälen, verraten,
mich immer wieder enttäuschen
und eines Tages
wird sie schuld sein
an meinem Tod.
Die Zeit.

Sehnsucht

Sehr leicht,
fast schwebend
richtet sich eine Form in mir auf.

Ohne zu zögern legt sie
schildkrötenlangsam
den Weg zurück
meine Hülle zu dehnen
bis zur Sehnsucht.

Dunkel umschweben mich
Zeichen von möglicher Kraft,
so wie Federn.

Und ich biete mich an
wie die offene Hand
eines uralten Baums
zwischen trüben Gewässern.

When there's no moon in the sky....

... where do You go to search for?

In ihrem Kühlschrank (Neff)
hatte sich - zwischen rohen Eiern -
ein feister Gott breit gemacht
und flüsterte leuchtend
There's no snow on the moon.

Das war ein erfrischender Satz!
Sie nahm ihn eilig mit,
zwischen die Federn,
um ihn ganz heimlich,
für sehr schlechte Zeiten,
aufzutaun und zu bewahren.

Dann malte ein Traum ihr
ein trockenes Bild
auf die zitternde Haut ihres Herzens.

Sie erinnerte sich daran, frierend.

Vor ihr die dunkel dampfende Erde
ihres einzigen Ackers,
tief und sauber durchpflügt.

Und plötzlich wusste sie:
Reflexion war hirnfarben.
Schon immer.

Der Bach

Inzwischen kniee ich auf dem Boden.
Vor mir ein leeres Blatt
hinter mir der Tag.

Ich höre Autos und sehne mich nach Bach.
Wie wunderbar, dass er so heisst.

Ich liebe Bäche.
Die ganz kleinen und die größeren,
die zwischen Wiesen versteckten
und die über Steine stürzenden.

Die Klippen in meinem Gehirn.
Sätze wie Wasser.
Worte wie Steine, die darin rollen.

Sehnsucht nach dem Meer,
in dem ich gewiegt werde.

Kein Fallen mehr
kein Versickern.

Hab vergessen,
dass ich selbst dort nicht sicher wäre.

Würde verdampfen und
zertreut mich wiederfinden.
In einem Bach,
einem Fluss
einem See.

Und wieder die Sehnsucht,
alles von vorn.

Wednesday, August 02, 2006

So viele Stunden ...

... aneinandergereiht an einem seidenen Faden
zur Zierde einer sich verflüchtigenden Statue
aus Rauch und Schall.
So viele Dinge
die einen Raum formen
der zu groß ist
um seine Bedeutung ermessen zu können.
All die Geräusche und Lieder
die eine Verbindung herstellen wollen
zwischen dem Alles und Nichts.
Zwischen der Nacht und dem Tag.

Schreiben und schlafen.
Träume voller Klippen und braun.
Setzen von Zeichen gegen das Lesen.
Nichts hängt zusammen.

Zu wenig Wasser um eine Sandburg zu bauen.
Der Sand zerbröselt zwischen winzigen Fingerchen
mit dunklen Rändern unter den Nägeln.
Tollpatschiges Einhertrampeln in der eigenen Identität.
Eine Masse, die sich zusammendrängt,
immer dichter,
wie ein Klumpen aufgeweichter Bildfetzen.
Von Herz zu Hirn wandert, ein ewiger Kreis.

Ein einziges Knäuel unentwirrbarer Sätze über das Leben.
Es gibt keinen Fortschritt.
Zuviel ist verlorengegangen,
wofür Jahre verschwendet wurden
um es wiederzufinden.

Es gibt keine Liebe.
Nach all den gesagten und nicht gesagten Worten darüber.

Sie war erschöpft

Jemand fehlte.
Sie wollte reden mit ihm
und zuhören.
Sie wollte etwas finden
das ihr alleine nicht gelang.
Sie wollte morgens aufwachen,
sich wie ein Tier fühlen
und wissen warum.

Es gab keine Farben...

...nur weiß und sehr wenig grau in den Schatten.

Sie fand sich inmitten einer Enscheidung.
Zwischen voll und leer
zwischen offen und zu
zwischen rechts und links
zwillen null und eins.
Sie stand mittendrin.

Sie spürte die Sehnsucht nach Verbindung
Ihr Verlangen war so groß,
dass sie wünschte
die Seiten sollten zueinanderfinden,
sich decken,
verknüpfen,
bis zum Zusammenfallen der Konstruktion in sich selbst.
Dann wäre endlich alles gut.

Aber es passierte nichts.
Es half auch nichts wenn sie anfing zu zählen.
Die sechs Seiten des Raumes blieben gespalten
um sie zu beschützen.
Ihr Körper stand im Weg
und verhinderte die erlösende Verbindung
von allem
was sie trennte mit ihrem Blick.

Sie verließ den Raum,
nicht ohne die Sehnsucht mitzunehmen
und zu wissen:
Sie würde wiederkommen.

Tuesday, August 01, 2006

Malerei

Der Mut immer wieder ein Bild zur Welt zu bringen, von dem ich nicht weiß, ob es Atem genug haben wird um zu leben. Als wäre ich eine ruhelose Seele, die immer aufs Neue den unschuldigen Leib eines Bildes sucht, um in ihn zu fahren. Gnadenlos und besessen.

Ich stelle mich meiner hilflosen Blindheit, die mein Auge mit der Leinwand verwandt macht. Dem Kratzen von farbigem Licht auf der Netzhaut und dem Drang, dem Flüssigen seinen Lauf zu lassen. Wie ein unendliches Weinen, das mich begleitet. Wie der Schmerz von tausend vergeblichen Leben.

Ich bin ein sehr altes Kind, das seine dreckige Windel an die Wand schmiert mit Wut auf den Vater und sein fehlendes Echo. Meine Arme gelähmt und mit blutendem Herz.

Farben sind mögliche Freundschaften und Kriege. Ich habe es aufgegeben, sie zu verkuppeln und zu verhindern.

Ich bin Mörder und Mutter, Engel und Räuber auf der Suche nach einem Zuhause.

Meine Bilder wie geizige Gastgeber, die mich locken um zu Verweilen und mich bei Nacht und Sturm wie einen alten Hund vor die Tür jagen. Hungrig und durstend. Und einsam.

Angst vor der Zahl Drei also!

Jemand, der die beiden Spitzen seines Zirkels nicht in einer Wirklichkeit festsetzen will. Vielleicht ist es wichtig, die Zahl Drei nicht nur in ihrem räumlichen Zusammenhang zu sehen, als Mitte zwischen 1 und 2, zwischen zwei Schenkeln. Als der Ort, an dem die Spannung zwischen zwei Punkten künstlich abgegrenzt und dadurch, möglicherweise, auch aufgehoben wird.

Für jemand Schreibenden ist sie vielleicht durchaus erträglicher als eine logische Folge in einer Reihe, die von 0 bis unendlich reicht. Um einen Satz (innerhalb der Zeit) zu bilden kannst Du sie nicht ständig überspringen. Außer du findest dich damit ab, nur Sätze zu formulieren, die aus Subjekt und Objekt bestehen, jegliches Verb aber zu vermeiden versuchen. Damit schließt du aus, dass etwas wirkliches ausgesprochen werden könnte.

Doch ich persönlich denke, dass es nicht nur eine Freiheit von etwas, d.h. die Freiheit, sich nicht zu verhalten geben muss, sondern auch die Freiheit ein Verb zu benutzen, das sich nicht nur auf Möglichkeiten, sondern manchmal sogar auf konkrete Handlungen und Haltungen bezieht.

Es gibt z.B. Menschen, die würden niemals das Wort "lieben" verwenden. Zwar taucht eine ziemlich abstrakte Form von "Liebe" in ihren Sätzen und wohl auch ihren Gedanken auf. Für mich aber deutet das Wort Liebe im Zusammenhang genannt mit Verstand, das Ganze ausgesprochen wie ein Buchtitel, den es noch dazu als Roman schon gibt nicht per se auf wirklich Mögliches hin.

An dieser Stelle möchte ich mich durchaus als "paläonthropologisch interessiert" bezeichnen, obwohl oder gerade weil ich, wenn ich nicht nachgesehen hätte, zwei Fehler in dem Wort geschrieben hätte. Das bedeutet für mich, falls es hier auch um Reflexion geht, dass ich versuchen möchte, anhand der Sätze, die ich formuliere vom status quo ausgehend, neue grammatikalische und begriffliche Möglichkeiten zu erforschen, die im besten Falle auch zur besseren Verständigung zwischen mir und dem Anderen beitragen könnten.

Bisher funktioniert das leider nur, wenn mein Gegenüber demselben Hobby frönt. So ähnlich wie beim Schach. Wer spielt schon mit jemandem, der die Regeln nicht befolgt oder sie nicht einmal kennen will, auf dem Brett herumhüpft ohne erkennbares Ziel und dem anderen auch noch unterstellt, dass er falsch spielt?

Aber vielleicht handelt es sich beim Festhalten an solch einem zu schaffendes Regelwerk um eine hartnäckige und nicht einmal besonders romantische Illusion, die mein einfaches Dasein dennoch versüßen soll? Und, wie du gemeint hast bei deinem Abschied: Hat Liebe denn irgendetwas mit Verstehen zu tun?

Das Problem ist, auch hier, ein analytisches. Dem Wort Liebe können so viele Bedeutungen beigemessen werden, es kann aufgefüllt werden mit dem gesamten Schwachsinn dieser Welt, so dass es sich am Ende dazu eignet, genau vom Gegenteil dessen zu sprechen, was man selbst eigentlich in dem speziellen Zusammenhang damit meint.

Aber so ist das heute. Das Leben ändert sich zu schnell und gleichzeitig zu wenig, als dass der Einzelne sich noch die Zeit und vor allem den nötigen Raum zwischen zwei Menschen nehmen könnte, um an wirklich lieblichen oder wenigstens logischen gemeinsamen Mustern zu arbeiten.

Leider bin ich verrückt genug, um mich für die Liebe zu interessieren, aber gleichzeitig zu wenig verrückt, um nicht nach dem Sinn zu fragen. Denn sonst würde ich hier sitzen, mir Asche ins Haar streuen, Deinen Brief, trotz seiner schweren Verdaulichkeit aufessen und darauf hoffen, Dich wiederzusehen - wann und wo auch immer.

2.9.94